Agio: Bausparvertrag sorgfältig wählen und Gebühren sparen

Wer einen Bausparvertrag abschließt, möchte meist für die Zukunft vorsorgen – natürlich ist es dann sehr ärgerlich, wenn Gebühren das Ersparte schmälern. Bausparer sind deshalb gut beraten, sich bereits vor Abschluss des Bausparvertrages über alle anfallenden Kosten zu informieren. Denn nicht jede Bausparkasse veranschlagt die gleichen Gebühren. Das gilt auch für das sogenannte Agio.

Was genau ist ein Agio beim Bausparvertrag?

Das Agio bezeichnet im Finanzwesen allgemein einen Aufschlag. Beim Bausparvertrag ist das Agio eine zusätzliche Gebühr, die auf das Bauspardarlehen aufgeschlagen wird. Der Hintergrund: Wer einen Bausparvertrag abschließt, vereinbart eine feste Bausparsumme. Diese setzt sich zusammen aus dem Guthaben, das der Bausparer anhäuft, sowie dem Bauspardarlehen, das die Bausparkasse in der Darlehensphase auszahlt. Das Agio wird auf das Bauspardarlehen aufgeschlagen und erhöht damit die Darlehensschuld des Bausparers. Beim Bausparvertrag wird das Agio prozentual zum Darlehen angegeben. Daher gilt: Je höher das Bauspardarlehen, desto teurer wird das Agio. Kreditinstitute bezeichnen das Agio auch häufig als Aufgeld.

Das Agio muss Bestandteil des Gesamteffektivzinses sein. Bausparkassen dürfen die Gebühr nur dann berechnen, wenn sie im Vertrag steht.

Beispielrechnung für ein Agio beim Bausparen

Wie hoch das Agio ausfällt, hängt von der Höhe des Bauspardarlehens ab. Ein Beispiel: Ein Kunde schließt einen Bausparvertrag mit einer Bausparsumme von 100.00 Euro ab. Nach 15 Jahren Ansparphase verfügt er über ein Guthaben von 30.000 Euro. Er erhält somit ein Darlehen in Höhe von 70.000 Euro. Die Bausparkasse berechnet für das Darlehen ein Agio von 2%. Der Bausparer tilgt folglich:

70.000 Euro Darlehenssumme + 1.400 Euro Agio (2% von 70.000) = 71.400 Euro Darlehensschuld gesamt

Der Bausparer muss also nicht 100% des Darlehens, sondern 102% zurückzahlen. Wer einen Bausparvertrag abschließt, sollte daher unbedingt mehrere Anbieter in Bezug auf das Agio vergleichen. Schließlich kann das Agio ganz schön teuer werden, wie die Beispielrechnung verdeutlicht.

Das Agio – bislang keine unzulässige Gebühr

Bislang ist das Agio beim Bausparvertrag nicht als unzulässig anzusehen – es gibt dazu kein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Im Gegensatz zur Darlehensgebühr. Der BGH hat im November 2016 entschieden, dass Darlehensgebühren nicht rechtens sind. Zuvor war es üblich, dass Bausparer meist um die 2% der Kreditsumme zahlen mussten, wenn sie ihr Darlehen in Anspruch genommen haben. In Folge des Urteilsspruchs erhöhten einige Bausparkassen die Abschlussgebühr oder führten das Agio ein. Manche Bausparkassen hatten den Aufschlag auf das Darlehen bereits vor der Urteilsverkündung berechnet und damit auf das zu erwartende Verbot vorab reagiert.

Die gute Nachricht: Nicht alle Bausparkassen berechnen das Agio. Bausparen können Verbraucher also auch ohne diese Gebühr zu entrichten und auf diese Weise einiges an Geld sparen. Wer einen Anbieter wählt, der kein Agio verlangt, sollte jedoch auch die anderen Kostenstellen vergleichen. Denn es kann sein, dass ein Anbieter, der kein Agio beim Bausparvertrag berechnet, z. B. eine höhere Abschlussgebühr verlangt. Verbraucher sollten diese Gebühren daher vor Abschluss sorgfältig vergleichen.

Weitere Gebühren, die bei Bausparverträgen anfallen können

Viele Bausparkassen bieten ihren Kunden sehr günstige Darlehenszinsen, die bis zur letzten Ratenzahlung in der Darlehensphase feststehen. Verbraucher sollten jedoch nicht nur auf die Darlehenszinsen achten, sondern auch die Gebühren miteinkalkulieren. Denn diese können je nach Anbieter und Tarif ganz schön teuer werden. Meist setzen sich diese aus mehreren Posten zusammen. Neben dem Agio bei Bauspardarlehen zählen zu den häufigsten Gebühren:

  • Abschlussgebühr: Mit Abschluss eines Bausparvertrages verlangen Bausparkassen eine Gebühr, die meist zwischen 1% – 1,6% der Bausparsumme beträgt. Bei einer Bausparsumme von 100.000 Euro liegt die Abschlussgebühr somit zwischen 1.000 – 1.600 Euro.
  • Kontoführungsgebühren: Einige Bausparkassen verlangen Gebühren für die Kontoführung. Diese müssen in den Vertragsdetails für den Bausparer ersichtlich sein. Die Höhe variiert je nach Anbieter.
  • Servicepauschale: Eine neue Gebühr, die einige Bausparkassen auch rückwirkend für Altverträge eingeführt haben. Die Höhe ist abhängig von Tarif und Anbieter. Die Service-Gebühr wird meist über geänderte Allgemeine Bedingungen für Bausparverträge (ABBs) kommuniziert bzw. eingeführt. Verbraucherschützer halten diese für unzulässig. Es ist also bislang möglich, Widerspruch einzulegen.

Agio: Bausparvertrag-Besitzer sollten Gebühren vergleichen

Die Darlehenszinsen sind aktuell sehr niedrig. Viele Bausparkassen können ihren Kunden daher sehr günstige Konditionen bieten. Allerdings sollten Verbraucher bei Abschluss nicht nur auf die Höhe der Darlehenszinsen achten, sondern auch anfallende Gebühren berücksichtigen. Denn viele Bausparkassen, wie die Wüstenrot, berechnen ein Agio. Wer Bausparverträge in Bezug auf die Darlehenszinsen sowie die Gebühren vergleicht, kann einiges an Geld sparen.