Kontoführungsgebühren: Bausparvertrag nach Kosten auswählen

Die Deutschen sind Fans des Bausparvertrags – verspricht er doch viele Vorteile: Sicherheit, Flexibilität und vor allem Hilfe, dem Traum vom eigenen Zuhause einen großen Schritt näher zu kommen. Doch wie so oft gibt es auch eine für den Bausparer eher unerfreuliche Seite: die Gebühren, auf die auch Bausparkassen nicht verzichten. Bausparneulinge stellen schnell fest, dass Gebühren beim Bausparen nicht gleich Gebühren sind. Es werden verschiedene Entgelte erhoben. Dazu gehören auch immer wieder Kontoführungsgebühren. Bausparvertrag-Besitzer werden in einige Fällen für die Kontoverwaltung zur Kasse gebeten.

Was ist die Kontoführungsgebühr? Bausparvertrag-Konto nicht immer kostenlos

Beim Abschluss eines Bausparvertrages erhält der Bausparkassen-Neukunde nicht nur die Vertragsunterlagen, in der Regel wird in seinem Namen auch ein Bausparkonto eröffnet. Dieses dient der Verwaltung und wird im Normalfall als reguläres Kontokorrentkonto geführt. Das bedeutet, dass dem Konto einerseits sämtliche Geldeingänge gutgeschrieben werden, andererseits gehen auch alle Auszahlungen, Zinsen und Gebühren davon ab. Alle Kontobewegungen sind auf dem Jahreskontoauszug erfasst.

Bausparer müssen häufig damit rechnen, dass für dieses Konto eine Kontoführungsgebühr berechnet wird. Bei der Schwäbisch Hall wird sie beispielsweise für die Leistungen der Bausparkasse sowie für die Teilnahme am Bausparen erhoben. Wer Wert auf einen Bausparvertrag ohne Kontoführungsgebühr legt, kann ebenfalls fündig werden. Einige Bausparkassen verzichten bei bestimmten Tarifen oder sogar ganz darauf, das Entgelt zu erheben.

Beispiele für die Kontoführungsgebühr

  • Wüstenrot Kontoführungsgebühr: 15 Euro jährlich bei regulären Tarifen
  • Schwäbisch Hall Kontoführungsgebühr: 12 Euro im Jahr als Jahresentgelt
  • LBS Kontoführungsgebühr: abhängig von Landesbausparkasse, bei LBS Bayern z. B. alljährlich 9,60 Euro

Kontoführungsgebühren Bausparvertrag: Unzulässig oder erlaubt?

Wer das Thema Kontoführungsgebühren – Bausparvertrag einmal außen vor gelassen – etwas verfolgt hat, erinnert sich vielleicht, dass der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, dass Kontoführungsgebühren für Darlehensverträge unzulässig sind. Das bedeutet, dass Bankkunden, die einen Ratenkredit oder aber eine Baufinanzierung abzahlen, nichts für ihr Darlehenskonto zahlen müssen. Bausparer können sich nun mit Recht fragen, inwieweit dieser Sachverhalt auch für sie gilt. Immerhin sind sie mit dem Eintritt in die Darlehensphase auch Kreditnehmer. Das Bausparkonto wird sozusagen zum Darlehenskonto.

Lange Zeit gab es keinen endgültigen Rechtsspruch zu diesem Thema. Im Mai 2017 entschied der Bundesgerichtshof jedoch, dass Bausparkassen ebenfalls keine Gebühren mehr für ihr Darlehenskonto verlangen dürfen. Kosten für die Verwaltung und Führung des Kontos dürfen somit nicht länger auf die Bausparkunden abgewälzt werden.

Post von der Bausparkasse: Darf für den laufenden Bausparvertrag Kontoführungsgebühr anfallen?

Vor allem in jüngster Zeit häufen sich die Meldungen über Bausparkassen, die ihre Kunden über die Erhebung einer neuen Gebühr informieren. Grund dafür ist der anhaltende niedrige Leitzins. Dieser hat zur Folge, dass die Erträge der Bausparkassen schmelzen. Deshalb setzen sie die Gebührenschraube an. Das aktuell erhobene Entgelt wird bei manchen Bausparkassen „Servicepauschale“ genannt, bei anderen „Kontogebühr“. In beiden Fällen kommt auf Bausparer jedoch jährlich eine zusätzliche Gebühr zu, die abhängig von der jeweiligen Bausparkasse nur einzelne Tarife, teilweise aber sogar laufende Verträge betrifft.

Verbraucherschützer stehen dem Entgelt kritisch gegenüber und raten betroffenen Kunden, der Gebührenerhebung zu widersprechen. Dies ist allerdings nur für Inhaber laufender Verträge möglich, die ohne Servicepauschale oder Kontogebühr abgeschlossen wurden. Denn in diesem Fall müssten die ABBs (Allgemeine Bausparbedingungen) geändert werden, was nach Ansicht der Verbraucherschützer unzulässig ist. Wer sich für einen Widerspruchsversuch entscheidet, sollte dies möglichst schnell nach Erhalt des Informationsschreibens schriftlich erledigen.

Welche Gebühren können bei Bausparverträgen noch anfallen?

Ob man mit dem eigenen Bausparvertrag Kontoführungsgebühr zahlen muss, ist vor allem abhängig von der betreffenden Bausparkasse. Auch andere Bauspargebühren können sich von Anbieter zu Anbieter unterscheiden. Doch welche Gebühren können überhaupt noch anfallen und welche sind zulässig?

  • Abschlussgebühr: Bausparvertrag-Besitzer kommen um dieses Entgelt kaum herum. Sie wird für den Abschluss des Vertrages berechnet und orientiert sich an der Bausparsumme. In der Regel liegt sie zwischen 1 und 1,6 Prozent.
  • Agio: Ein Aufgeld, das beim Bausparen häufiger erhoben wird. Es handelt sich dabei um einen Zinsbestandteil, der der Summe des Bauspardarlehens aufgeschlagen wird.
  • Darlehensgebühr: Bausparer können sich hier freuen, denn dieses Entgelt ist unzulässig. Bereits bezahlte Darlehensgebühren können zurückgefordert werden.
  • Servicepauschale: Einige Bausparkassen erheben diese Gebühr, teilweise sind sogar bereits laufende Altverträge betroffen. Ob zulässig oder nicht, ist bislang noch nicht geklärt.

So sehr sich wohl jeder Bausparer über einen Bausparvertrag ohne Abschlussgebühr und Kontoführungsgebühr, ohne Agio oder am besten gänzlich ohne Gebühren freuen würde, so unrealistisch ist dies. Es wird kaum gelingen, eine Bausparkasse zu finden, die komplett auf Gebühren verzichtet. Wer allerdings bei der Wahl seines Bausparvertrages genau recherchiert und verschiedene Angebote prüft, kann unnötig hohe Kosten leicht vermeiden.