Bausparvertrag kündigen: Details zu Fristen und Optionen

Die meisten Bausparverträge wurden abgeschlossen, um günstige Baukredite oder eine sichere Sparform zu ermöglichen. Durch anhaltende Niedrigzinsen kann nicht jeder Vertrag diese Ziele gleich gut verfolgen. Für Bausparer gibt es zwei Hauptmotive für die vorzeitigen Kündigung:

  • Direkte Baufinanzierungen bieten teils günstigere Kreditzinsen als Bausparverträge
  • Andere Anlageformen bieten oft die gleiche Sicherheit bei höheren Sparzinsen

Vorzeitige Kündigung und Kündigungsfrist

Ein Bausparvertrag ist eine langfristige Planung, häufig mit deim Ziel einer Immobilienfinanzierung. Da kann es durchaus vorkommen, dass man sich aus dem Vertrag lösen möchte, weil sich die private oder finanzielle Situation geändert hat. Oft taucht dann die Frage auf, ob man einen Bausparvertrag vorzeitig kündigen kann. Diese Formulierung ist aber an sich falsch. Da ein Bausparvertrag keinen festgesetzten Endpunkt hat, an dem er ausläuft, ist auch die Kündigung in dem Sinne nicht vorzeitig.

Grundsätzlich kann man einen Bausparvertrag immer kündigen, solange man sich an die vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen hält. In der Regel sind dies drei Monate. Manche Bausparkassen lassen Kündigungen nur zum Quartalsende zu. Ein Blick in den Vertrag ist hier sinnvoll.

Zeitpunkt der Kündigung

Entscheidend ist aber auch in welcher Phase man den Bausparvertrag kündigen will, denn je nach Zeitpunkt der Kündigung kann es dann zu finanziellen Einbußen kommen .Um diese zu vermeiden, ist es sinnvoll, sich vorab über die Klauseln und Auflagen zu informieren, die in jeder Phase des Bausparens für die Kündigung gelten. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Vorteile einer Kündigung überwiegen und es nicht zu Verlusten kommt.

Kündigung während der Ansparphase

Während man noch das erforderliche Guthaben in den Bausparvertrag einzahlt, sich also noch in der Ansparphase befindet, kann der Vertrag innerhalb der Kündigungsfrist ohne Probleme gekündigt werden. Man erhält dann sein bereits geleistetes Guthaben inklusive Zinsen wieder zurück.

Paar sichtet verschiedene UnterlagenMan kann den Vertrag allerdings auch ohne Einhaltung der Bausparvertrag Kündigungsfrist beenden, weil man zum Beispiel das Geld dringend sofort braucht. Dann muss man aber mit einer Vorfälligkeitsentschädigung rechnen. Das bedeutet, dass die Bausparkasse eine Art Entschädigung dafür erhält, dass die Frist nicht eingehalten wird. In der Regel 1% der Bausparsumme pro Monat, den der Vertrag zu früh gekündigt wurde.

Wer einen Bausparvertrag auflösen möchte, bevor die gesetzliche Bindungsfrist (auch Sperrfrist genannt) abgelaufen ist, muss mit weiteren Nachteilen rechnen. Die Bausparvertrag Sperrfrist beträgt sieben Jahre. Sollten staatliche Förderungen, wie zum Beispiel Wohnungsbauprämie, auf den Vertrag angerechnet worden sein, verliert man diese, wenn man den Vertrag vor Ablauf der Sperrfrist auflöst. Für Bonuszinsen gelten häufig ebenfalls von der Bausparkasse festgelegte Mindestlaufzeiten. So können auch diese verloren gehen. Außerdem wird die Abschlussgebühr in den meisten Fällen nicht zurückerstattet. Und man verliert natürlich das Anrecht auf das Bauspardarlehen, das vertraglich vereinbart worden ist.

Kündigung während der Darlehensphase

Wenn man das Bauspardarlehen bereits erhalten hat und den Vertrag während der Darlehensphase kündigen möchte, ist dies einfacher. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Umschuldung bzw. um eine Rückerstattung des Darlehens. Um sich aus dem Vertrag zu lösen müssen nämlich alle offenen Darlehensbeträge inklusive Zinsen und sonstiger noch anfallender Kosten abbezahlt werden. Wie dies realisiert wird, ob mit einem neuen Kredit oder durch Eigenkapital, ist dabei egal. Da bei einem Bausparvertrag jederzeit Sonderzahlungen möglich sind, kann das Darlehen im Gegensatz zur klassischen Baufinanzierung ganz unkompliziert zurückgezahlt werden.

Bausparvertrag beenden ohne Kündigung

Es gibt auch eine Möglichkeit aus dem Bausparvertrag auszuscheiden ohne eine Kündigung, nämlich dann, wenn der Vertrag zuteilungsreif ist. Das ist bei den meisten Bausparverträgen dann der Fall, wenn die Mindestansparsumme erreicht ist. Ab diesem Zeitpunkt kann der Bausparer sich entscheiden, ob er noch weiter sparen, das Darlehen in Anspruch nehmen oder eben den Vertrag beenden möchte. Dann werden ihm sein Guthaben, sowie entsprechende Zinsen ausbezahlt ohne weitere Kosten. Allerdings verfällt auch hier dann der Anspruch auf das Bauspardarlehen.

Widerruf Bausparvertrag

Wer seinen Bausparvertrag gerade erst abgeschlossen, es sich jedoch anders überlegt hat, muss meist gar nicht kündigen. Denn der Gesetzgeber sieht ein 14-tägiges Widerrufsrecht für Verbraucher vor. Innerhalb dieser Frist kann man den Bausparvertrag jederzeit widerrufen. Dabei ist es empfehlenswert, den Widerruf stets schriftlich an den Anbieter zu richten.

Kündigungsschreiben Bausparvertrag

Egal in welcher Phase man den Bausparvertrag auflösen möchte, die Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Wichtig ist die Vertragsnummer zu nennen und zu welchem Zeitpunkt man den Vertrag kündigen möchte. Auch ein Verzicht auf die Zuteilung des Darlehens muss schriftlich gemacht werden. In der Regel sollte dann ein Bestätigungsschreiben der Bausparkasse folgen, in dem die Kündigung (bzw. der Darlehensverzicht) bestätigt wird und in der noch offene Punkte, wie zum Beispiel noch fällige Zahlungen oder das Auszahlungsdatum, genannt werden.

Vor-und Nachteile bei der Kündigung

In erster Linie sind es häufig individuelle Gründe, die für eine Bausparvertrag Kündigung sprechen. Entsprechend ergeben sich andere Vor- und Nachteile. Dennoch kann man einige allgemeine Punkte zusammenfassen, die im Zusammenhang mit der Bausparvertrag Kündigung stehen.

Vorteile einer Kündigung

  • freigewordenes Kapital kann anderweitig genutzt oder effektiver angelegt werden
  • Nutzung eines zinsgünstigeren Darlehens mit anderen /neuen Konditionen

Nachteile einer Kündigung

  • Verlust staatlicher Förderungen
  • kein Anspruch mehr auf Bauspardarlehen
  • keine kurzfristige Auszahlung des Guthabens möglich

Kündigung durch die Bausparkasse

Nicht nur der Bausparkunde kann einen Bausparvertrag kündigen, auch die Bausparkassen haben diese Möglichkeit. In den letzten Jahren, besonders seit Mitte 2014 werden vermehrt Bausparverträge durch die Bausparkassen gekündigt. Nicht immer sind diese Bausparvertrag Kündigungen auch rechtens, wie zahlreiche Berichte von Medien und Verbraucherschützern zeigen. Doch warum kündigen die Bausparkassen überhaupt die Verträge und wie kann man sich gegen ungerechtfertigte Kündigungen wehren?

Gründe für die Kündigung von Altverträgen

Beraterin prüft verschiedene DatenDas Guthaben, das während der Ansparphase auf den Bausparvertrag eingezahlt wird, wird verzinst. In der Regel orientieren sich diese Guthabenzinsen am aktuellen Zinsniveau und gelten für die gesamte Dauer der Ansparphase. Dieses System bringt die Bausparkassen nun in Bedrängnis. Alte Bausparverträge sind noch sehr gut verzinst, teilweise erhalten Bausparer bis zu 3 % auf ihr Guthaben. Das sind Zinswerte, von denen Anleger im derzeitigen Niedrigzinsumfeld nur träumen können.

Guthabenzinsen zu teuer

Bausparkassen sind aufgrund der Vertragsbedingungen verpflichtet, den Kunden diese hohen Guthabenzinsen zu zahlen, haben gleichzeitig aber derzeit kaum Chancen diese zu refinanzieren. Schließlich trifft auch auf die Bausparkassen zu, was für den Otto-Normalverbraucher gilt: Lukrative Rendite ist im Moment nicht einfach zu bekommen.

Bausparkassen dürfen aufgrund gesetzlicher Regelungen aber nur in bestimmte Anlageformen investieren. So müssen die Kassen zwar hohe Guthabenzinsen ausgeben, erhalten aber selbst keine auf ihre Anlagen. Das führt zu geringeren Erträgen. Daher versuchen die Bausparkassen durch Kündigung hoch verzinster Altverträge und Wechseloptionen Kosten zu sparen.

Betroffene Altbausparverträge

In einer ersten Kündigungswelle wurden Bausparverträge gekündigt, wenn diese voll bespart waren. Als „voll bespart“ gilt ein Bausparvertrag wenn die komplette Bausparsumme als Guthaben angespart wurde. Die Kündigung solcher Bausparverträge ist rechtens. Da das Ziel eines Bausparvertrags die Aufnahme eines Bauspardarlehens ist und dieses bei Erreichen der Bausparsumme durch Guthaben nicht mehr erteilt werden kann, hat der Vertrag seine Funktion verloren. Er wird von den Inhabern nur noch als Geldanlage genutzt und kann daher von der Bausparkasse gekündigt werden.

Zuteilungsreife Bausparverträge

Die zweite Kündigungswelle traf schließlich zuteilungsreife Bausparverträge, die sich seit mehr als zehn Jahren in dieser Phase befanden, ohne dass das Bauspardarlehen in Anspruch genommen worden wäre. Von Verbraucherschützern wurde dies scharf kritisiert. Dennoch entschied der Bundesgerichtshof im Februar 2017, dass auch diese Kündigung durch die Bausparkasse rechtens ist. Die Argumentation der Richter bezog sich dabei auf das Prinzip des Bausparens, das davon ausgeht, dass der Bausparvertrag nach der Ansparphase in die Darlehensphase übergeht. Bausparer, die ihren Vertrag als Geldanlage nutzen und ihr Darlehen (noch oder gar) nicht in Anspruch nehmen, haben in diesem Fall das Nachsehen und müssen die Kündigung hinnehmen.

Kann man sich gegen die Bausparvertrag Kündigung wehren?

Der Erfolg eines Widerspruchs gegen eine Kündigung durch die Bausparkasse hängt ganz entscheidend von der individuellen Situation ab. Ist der Bausparvertrag voll bespart, also wenn Guthaben über die im Vertrag vereinbarte Bausparsumme angesammelt wurde, oder seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif, sieht es eher schlecht aus. Entsprechende Gerichtsurteile stützen dieses Vorgehen der Bausparkassen. Wer sich der Rechtmäßigkeit seiner Kündigung nicht sicher ist, kann sie von einem Experten prüfen lassen und gegebenenfalls anfechten.

Bausparvertrag Kündigung widersprechen

Zunächst einmal sollte man der Kündigung widersprechen. Im besten Fall erkundigt man sich bei dem für die Bausparkasse zuständigen Ombudsmann oder aber einem speziell geschulten Fachanwalt nach den Möglichkeiten des Widerspruchs. Dabei kann man auch gleich den Vertrag prüfen lassen. Manchmal ist aufgrund von ungewöhnlichen Klauseln ein Widerspruch nicht möglich. Dies können die Experten dann gleich prüfen. Das weitere Vorgehen ist dann abhängig von der Reaktion der Bausparkassen auf den Widerspruch und der empfohlenen Taktik der Experten.

Wechselangebote müssen nicht angenommen werden!

Ein alternatives Vorgehen der Bausparkassen ist das Angebot, den alten Vertrag durch einen neuen zu ersetzen. Meist aber zu deutlich schlechteren Konditionen. Vor allem die hohen Guthabenzinsen sind bei diesen neuen Verträgen nicht mehr enthalten, dafür werden andere Boni angeboten, die aber für den einzelnen nicht immer sinnvoll sind. Wichtig zu wissen ist, dass man diese Angebote nicht annehmen muss, auch wenn Vertreter oder Kundenberater etwas anderes suggerieren. Es besteht keinerlei Verpflichtung einem Tarifwechsel zuzustimmen.