Widerspruch: Kündigung des Bausparvertrags mit Musterbrief

Das Jahr 2017 begann für viele Bausparer wenig erfreulich. Im Februar hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass Bausparkassen Altverträge mit attraktiven, hohen Guthabenzinsen kündigen dürfen, wenn diese seit mindestens zehn Jahren zuteilungsreif sind – ohne das Einverständnis des betreffenden Kunden. Das Urteil löste bei Bausparern und Verbraucherschützern gleichermaßen Unmut aus. Doch nicht jede Kündigung ist rechtmäßig. In bestimmten Fällen können Bausparkunden Widerspruch gegen die Kündigung durch die Bausparkasse einlegen.

Warum ist eine Kündigung des Bausparvertrags nötig? Vor Widerspruch Hintergründe kennen

Der Bausparvertrag ist ein flexibles Finanzprodukt. Er eignet sich nicht nur für Menschen, die von der eigenen Immobilie träumen. Sicherheitsbewusste Sparer entscheiden sich ebenfalls immer wieder gerne für den Bausparvertrag, auch wenn sie heute aufgrund des aktuellen Niedrigzinsniveaus kaum mehr von den ehemals sehr attraktiven Renditen profitieren können. So ist es keine Überraschung, dass eine Vielzahl von Besitzern hochverzinster Altverträge ihren Renditevorteil nur ungern aufgeben. Erreicht ihr Bausparvertrag die Zuteilungsreife, entscheiden sie sich deshalb oft für eine weitere Besparung ihres Vertrages – und belassen auch später die angesparte Bausparsumme auf dem Bausparkonto.

Was bis vor einigen Jahren in der Regel kaum Schwierigkeiten bereitete, wird für Bausparkassen zunehmend problematischer. Die hohen Guthabenzinsen, die in den alten Bausparverträgen festgeschrieben wurden, decken sich längst nicht mehr mit den mittlerweile sehr geringen Zinseinnahmen der Kassen. Dies schlägt sich nicht nur in den Bauspargebühren, wie etwa in der kürzlich von einigen Anbietern eingeführten Servicepauschale, nieder. Immer wieder kommt es auch zu Kündigungswellen durch die Bausparkassen, welche die hochverzinsten Altverträge betreffen, die als reine Sparanlage genutzt werden. Als Grund wird dabei häufig das Bausparprinzip genannt, demzufolge Bausparverträge in erster Linie den Immobilienerwerb ermöglichen und fördern sollen, statt als reines Anlageprodukt genutzt zu werden.

Widerspruch: Kündigung des Bausparvertrages muss nicht immer hingenommen werden

Widerspruch Kündigung Bausparvertrag Musterbrief

Der Widerspruch der Kündigung des Bausparvertrages durch die Bausparkasse muss schriftlich erfolgen – mit einem Musterbrief ist dies schnell erledigt. Dieser kann nach dem Eintrag einiger individueller Daten (Absender, Adresse der Bausparkasse, Bausparvertragsnummer, aktuelles Datum und Datum in 14 Tagen) direkt an die Bausparkasse geschickt werden.

Download: Musterbrief für den Widerspruch der Bausparvertrag-Kündigung

Die Kündigung eines hochverzinsten Bausparvertrages ist zweifellos ärgerlich. Doch in manchen Fällen müssen Bausparer das Schreiben ihrer Bausparkasse nicht einfach so hinnehmen. Bausparkassen stützen sich bei der Kündigung häufig auf §489 Abs. 1 Nr. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), der Darlehensnehmern die Möglichkeit gibt, einen Darlehensvertrag zehn Jahre nach dem vollständigen Erhalt mit einer Frist von sechs Monaten zu kündigen. Die Kassen sehen Bausparverträge als eine Sonderform von Darlehensverträgen, bei denen sie selbst die Rolle der Darlehensnehmer einnehmen, die von den Kunden ein Darlehen in Form der regelmäßigen Sparbeiträge erhalten. Verbraucherschützer stehen dieser Auslegung kritisch gegenüber.

Sie sind der Ansicht, dass viele betroffene Kunden der Kündigung des Bausparvertrages widersprechen können. Nämlich alle, deren Bausparvertrag seit weniger als 10 Jahren zuteilungsreif ist. Auch wenn die Bausparsumme noch nicht vollständig angespart wurde, ist die Kündigung nach Ansicht der Verbraucherschützer unzulässig. Das beste Vorgehen in diesen Fällen ist der Widerspruch. Gegen die Kündigung des Bausparvertrages kann man am besten mit einem Musterbrief ankommen.

Achtung: Zinsbonus-Verträge sind von BGH-Urteil ausgenommen

Keine Kündigungen von Zinsbonus-Verträgen? Verbraucherschützer gehen davon aus, dass Verträge, bei denen Kunden zusätzlich zu Guthabenzinsen noch weitere Bonuszahlungen erhalten, vom BGH-Urteil ausgenommen sein könnten – auch wenn diese mehr als zehn Jahre zuteilungsreif sind. Denn laut Verbraucherschützer ist in diesen Fällen nicht die Zuteilungsreife, sondern die Erlangung des Bonus entscheidend. Erst zehn Jahre nach der Auszahlung der Prämie wäre eine Kündigung rechtens. Bausparer mit Zinsbonus-Verträgen könnten unter den richtigen Umständen mit einem Widerspruch also erfolgreich sein.


Bausparvertrag-Kündigung widersprechen: Welche Schritte sind nötig?

Immer wieder erhalten Bausparer, die sich bislang über hochverzinste Bausparverträge freuen konnten, von ihrer Bausparkasse eine Kündigung. In manchen Fällen muss diese hingenommen werden, in anderen können sie dem Vorgehen der Kasse widersprechen. Ein pauschales Vorgehen gibt es nicht. Folgende Schritte können jedoch zum erfolgreichen Widerspruch der Bausparvertrag-Kündigung beitragen.

1. Rechtmäßigkeit der Kündigung prüfen

Das BGH-Urteil bezieht sich nicht auf alle Altverträge, sondern gilt nur unter bestimmten Umständen. Denn nur, wenn der Bausparvertrag bereits seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif oder die Bausparsumme vollständig durch die Sparbeiträge angespart wurde, darf die Bausparkasse kündigen. Folgende Faktoren sorgen dafür, dass die Kündigung durch die Bausparkasse nicht rechtens ist:

  • Der Bausparvertrag ist noch nicht zuteilungsreif
  • Der Bausparvertrag ist seit weniger als zehn Jahren zuteilungsreif
  • Die Bausparsumme ist noch nicht vollständig angespart

2. Widerspruch gegen Bausparvertrag-Kündigung einlegen

Sollte der eigene Bausparvertrag zu den unrechtmäßig gekündigten Verträgen zählen, kann schriftlich Widerspruch eingelegt werden. Das geht am schnellsten und einfachsten mit einem Musterbrief. Wer sich nicht sicher ist, ob die Kündigung rechtens ist, kann sich bei Verbraucherzentralen informieren. Dort stehen in der Regel Experten zur Verfügung, die das Kündigungsschreiben prüfen und Tipps geben können.

3. Mögliche Auszahlung nicht annehmen

Einige Bausparkassen verschicken nicht nur die Kündigung, sondern überweisen ihren Kunden parallel auch direkt das angesparte Guthaben. Wer vorhat, der Kündigung zu widersprechen, sollte das Geld auf keinen Fall ausgeben, sondern an die Bausparkasse zurücküberweisen. Auch ein Verrechnungsscheck sollte am besten nicht angenommen, auf jeden Fall aber nicht eingelöst werden. Wird die Auszahlung der Bausparkasse angenommen, könnte das als Zustimmung zur Kündigung ausgelegt werden und einen Widerspruch erschweren.

Bausparvertrag gekündigt? Widerspruch einlegen kann sich lohnen

Gerade in Niedrigzinsphasen sind attraktiv verzinste Finanzprodukte rar. Kein Wunder also, dass die Kündigungen alter Bausparverträge mit hohen Guthabenzinsen auf wenig Begeisterung stoßen. Wer glaubt, dass die Kündigung nach dem BGH-Urteil unrechtmäßig ist, sollte deshalb die Möglichkeit des Widerspruchs nutzen. Ist dieser erfolgreich, kann man sich weiterhin über attraktive Rendite beim Bausparvertrag freuen. Sollte die Bausparkasse den Widerspruch gegen die Kündigung des Bausparvertrages allerdings nicht akzeptieren, bleiben meist nur rechtliche Schritte. Wer sich allerdings dafür entscheidet, muss nicht nur bereit sein, Geld zu investieren. Aktuell laufen bereits zahlreiche Klagen von Verbraucherschützern und Bausparern, die dafür sorgen könnten, dass es einige Zeit dauert, bis es zu einer Einigung kommt.